Gerade habe ich bei einem amerikanischen Kunden ein Projekt abgeschlossen, bei dem es um die Anerkennung von Mitarbeitern und Führungskräften in Deutschland ging. Für die Erarbeitung des Themas, welches für die meisten Kulturkreise auf der Welt parallel durchgeführt wurde, gab es im ersten Schritt einen sehr ausführlichen Fragebogen, der mit dem amerikanischen Consultant besprochen wurde. Mir war vorher schon klar, dass es im Berufsleben zwischen den Kulturen große Unterschiede gibt, aber wie groß die Unterschiede sind, wenn es um die Anerkennung von Mitarbeitern und Führungskräften geht, haben mich sehr gestaunt. Es gab Fragen, über die ich mir vorher noch nie bewusst Gedanken gemacht habe, wie zum Beispiel:
Die amerikanische Finanzchefin, die für den deutschen Bericht zuständig war, und ich haben viel über die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland gelacht. Großes Amüsement erweckte bei ihr die geringe jährliche Freigrenze bei Geschenken für Mitarbeiter. Es war gar nicht so einfach zu erklären, welche steuerlichen Auswirkungen Präsente für den Schenkenden und den Beschenkten bei uns haben. Ich konnte ihre Frage nicht zur Zufriedenheit beantworten, warum das bei uns steuerlich bei den Geschenken so kompliziert sein muss. Oder warum die einzelnen Bundesländer unterschiedliche Feiertage haben, was doch bei Unternehmen, die mehrere Standorte in Deutschland haben, zum Problem werden könnte. Manche ihrer Fragen waren mir schon fast peinlich. Es war teilweise so, als würden wir nicht den gleichen Planeten bewohnen.
Auf der anderen Seite war es interessant zu hören, dass viele amerikanische Unternehmen ihre Mitarbeiter für soziales Engagement in ihrer Freizeit belohnen. Oder eher Wert wie wir darauf legen, dass man für die Dauer der Betriebszugehörigkeit nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Art Urkunde bekommt, die sich Amerikaner gerne im Büro aufhängen. Oder dass es üblich ist, von Restaurantketten Gutscheine zu verschenken, damit man die Frau oder den Mann zu Hause schön zum Essen ausführen kann. Sofort stellte ich mir bildlich vor, welche Augen ein deutscher Mitarbeiter machen würde, wenn er zum 10-jährigen Betriebsjubiläum einen Gutschein von Wienerwald oder Pizza Hut bekommen würde!
Ich habe aber auch noch was anderes gelernt: In Taiwan verschenkt man keine Gutscheine, in denen die Zahl vier auftaucht, weil die Zahl vier in Taiwan wie das Wort für Tod klingt. Geschenke werden in rotes Geschenkpapier mit goldenen Schleifen verpackt. Älteren Arbeitnehmern darf man keine Uhren schenken, weil das eine Anspielung auf die noch zu verbleibende Lebensrestzeit darstellt. Ich bin wirklich froh, in nächster Zeit nicht verschenken zu müssen.
Trainerin & Beraterin seit 1988